Obligatorischer Militärdienst – Mein Beitrag zur Landesverteidigung
Wie alles begann – Die Rekrutierung (August, im Vorjahr)
Im August des Vorjahres begann für mich der erste Schritt in
Richtung Militärdienst: die Rekrutierung in der Kaserne
Summiswald. Ohne grosse Vorkenntnisse und mit einer Portion
Unsicherheit trat ich dort an. Die drei Tage waren klar
strukturiert: medizinischer Check-up, Sport- und Ausdauertest,
psychologische Analyse, Fahrverständnisprüfung sowie kognitive
und Multitasking-Tests. Während des Beratungsgesprächs hatte
ich nur eine grobe Vorstellung davon, welche Funktionen für
mich infrage kommen könnten. Einige interessante Optionen
hatte ich mir notiert – und genau diese besprach ich mit dem
zuständigen Offizier.
Wenig später stand fest: Ich würde als Motorfahrer dienen.
Im Dienst des Landes – Die Rekrutenschule (Januar – April)
Meine Rekrutenschule absolvierte ich in Drognens bei Romont.
Als Motorfahrer erhielt ich eine doppelte Ausbildung –
einerseits im militärischen Grunddienst, andererseits in der
Fahrausbildung schwerer Fahrzeuge.
Zunächst standen die militärischen Grundregeln und Disziplin
im Vordergrund: korrektes Grüssen, An- und Abmelden,
Salutieren, Verhaltensregeln in der Kaserne und vieles mehr.
Parallel dazu begann die Fahrpraxis: Lastkraftwagen mit und
ohne Anhänger, das Manövrieren auf engen, kurvigen Strassen
der Westschweiz und das sichere Fahren unter
unterschiedlichsten Bedingungen.
Zu den praktischen Aufgaben zählten das Auf- und Abladen von
ISO-Containern und Abrollbehältern, das Abdecken und Sichern
von Ladung, sowie das zeitaufwändige Montieren von
Schneeketten und Ersatzrädern. Ergänzt wurde dies durch
theoretische Schulungen zu Ladungssicherung,
Fahrzeugunterhalt, Bedienung und Gefahrenguttransport nach
ADR/SDR-Vorschriften.
Natürlich gehörte auch die soldatische Ausbildung dazu:
Schiessen, Gefechtstraining, Grundlagen des Nahkampfs und das
rasche Anlegen des ABC-Schutzanzuges – alles bei jedem Wetter,
ob Schnee, Eis, Nebel oder Regen. Trotz der Strapazen wuchs
die Kameradschaft, besonders unter uns Deutschsprachigen.
Egal ob zum wiederholten Mal Chili aus der Dose oder die
kargen Verpflegungspäckchen aus dem Feld – wir hielten
zusammen, halfen einander und meisterten die Herausforderungen
als Team.
Weitere Ausbildung – Verbandsausbildung (April – Juni)
Für die Verbandsausbildung (VBA) wurde ich nach Pfäffikon und
Hinwil in eine Nachschubkompanie versetzt. Nun waren wir nur
noch rund zehn Motorfahrer – eine kleine, aber bestens
eingespielte Gruppe.
Unsere Aufträge führten uns quer durch die Schweiz: von Zürich
nach Glarus, Freiburg, bis hinunter nach Genf oder ins Wallis.
Neben regulären Transporten unterstützten wir auch Übungen und
Inspektionen anderer Kompanien. Dabei konnten wir unsere
Erfahrung im Umgang mit schweren Fahrzeugen weiter ausbauen
und unsere Zusammenarbeit mit anderen militärischen Einheiten
vertiefen.
Den ganzen Dienst am Stück – Durchdienerzeit (Juni – November)
Der längste Abschnitt meines Militärdienstes begann mit der
Versetzung nach Kirchberg bei Burgdorf, in die sogenannte
„Mammutkompanie“ – die Logistik-Bereitschaftskompanie 104.
Unsere Aufgaben waren vielfältig und reichten von
militärischen Transporten bis zur Unterstützung grosser
ziviler Veranstaltungen.
Besondere Einsätze und Aufträge führten uns unter anderem zu
folgenden Anlässen:
Routine- und Pflichteinätze
Nicht jeder Auftrag war spannend, doch auch sie gehörten zu unserem Alltag. Dazu zählten etwa das Ausgeben neuer Militärausrüstung an Berufsoffiziere oder monotone Wachdienste in unserer „leeren“ Unterkunft. Im Schichtbetrieb standen wir in voller Kampfmontur vor dem Wachcontainer und führten regelmässige Rundgänge zu unseren Fahrzeugparks durch. Dabei waren wir stets mit der schweren Ausrüstung, dem Helm, der Splitterschutzweste, dem Pfefferspray und unterladener Waffe ausgerüstet. Gerade diese Routineeinsätze verlangten ein hohes Mass an Disziplin und Durchhaltevermögen – und doch gab es auch Momente, in denen es schlicht nichts zu tun gab und die Zeit einfach nicht vergehen wollte.
Kameradschaft und besondere Momente
Ein immer wiederkehrendes Highlight während RS, VBA und Durchdienerzeit waren die freien Abende. Gemeinsam mit den Kameraden ging es in nahegelegene Restaurants oder Bars – Momente, die den Zusammenhalt stärkten und den fordernden Alltag für ein paar Stunden in den Hintergrund rücken liessen.
Mein Militärdienst war intensiv, fordernd und lehrreich zugleich. Ich habe nicht nur das Fahren schwerer Fahrzeuge verbessert, sondern auch gelernt, Verantwortung zu übernehmen, unter widrigsten Bedingungen durchzuhalten und im Team zu arbeiten. Diese Zeit hat mir Disziplin, Ausdauer und Kameradschaft vermittelt – Werte, die mich auch ausserhalb des Militärs begleiten werden.
Kartenerstellung für den Schweizer Weltatlas
Nur eine Woche nach meiner Rückkehr ging es bereits nach Zürich. Damit ich nicht täglich die lange Reise aus dem Emmental auf mich nehmen musste, bezog ich ein Zimmer in einem Studentenheim. Zu meinem Glück war es ein gemütliches Zimmer mit einer grandiosen Aussicht über ganz Zürich und den See.
Was ist das Institut für Kartografie und Geoinformation der ETH Zürich?
Das Institut für Kartografie und Geoinformation ist eine
Abteilung der ETH Zürich und ein führendes Forschungs- und
Ausbildungszentrum im Bereich der Geoinformation und
Kartografie. Es beschäftigt sich mit der Erfassung,
Verarbeitung, Analyse und Darstellung raumbezogener Daten und
entwickelt innovative Methoden und Technologien für digitale
Karten, 3D-Modelle und Geodatenanwendungen. Ein bekanntes
Projekt des Instituts ist der Schweizer Weltatlas, ein
umfassender Atlas, der detaillierte Karten und Informationen
über die Schweiz und die Welt bietet. Der Atlas wird in
Schulen, Bildungseinrichtungen und der breiten Öffentlichkeit
verwendet.
Hier lernte ich schnell meine Teamkolleginnen und -kollegen
sowie die Vorgesetzten kennen. Bald durfte ich als
Redaktionsmitglied am Schweizer Weltatlas mitarbeiten und war
in verschiedenen Bereichen tätig. In einem kleinen Team
arbeiteten wir an der Datenrecherche und der Aktualisierung
von Karten für die neue Ausgabe des Schweizer Weltatlas.
Und was habe ich dort gemacht?
Eine besonders interessante Karte, an der ich längere Zeit
mitwirken durfte, war die Konfliktkarte "Naher Osten".
Wir recherchierten intensiv zu unterschiedlichen
Auseinandersetzungen, Kriegen und Krisen im Nahen Osten, in
Europa, Asien und Afrika. Gemeinsam überlegten wir,
skizzierten erste Ideen und entwickelten Konzepte, wie sich
diese komplexen Themen möglichst neutral, zeitlos,
verständlich und übersichtlich kartografisch darstellen
lassen. Aus diesen Ideen entstanden verschiedene Entwürfe, die
wir im Plenum besprachen und kontinuierlich
weiterentwickelten.
Besonders herausfordernd war das Thema, weil sich Krisen auf
ganz unterschiedliche Weisen einteilen und verstehen lassen.
Wir unterschieden unter anderem zwischen ökologischen Krisen
wie Naturkatastrophen (wie zum Beispiel Erdbeben oder
Tsunamis), der Klimakrise (Erderwärmung, Meeresspiegelanstieg,
Wetterextreme) sowie Ressourcenknappheit. Ebenso betrachteten
wir gesellschaftlich-politische Krisen, darunter religiöse
Konflikte, politische Kriege, Putschversuche, Staatskrisen und
Terrorismus. Wirtschaftliche und soziale Krisen wie Finanz-,
Schulden- und Arbeitsmarktkrisen, wachsende Ungleichheit,
Armut sowie Migrations- und Flüchtlingskrisen wurden ebenfalls
behandelt. Schliesslich thematisierten wir auch
Gesundheitskrisen, insbesondere Pandemien und Epidemien wie
COVID-19 oder Ebola. Die Grenzen zwischen diesen Krisentypen
sind oft fliessend, da viele Konflikte miteinander verbunden
sind und je nach Perspektive oder Akteur unterschiedlich
eingeordnet werden können.
Besonders herausfordernd war das Thema, weil sich Krisen auf
vielfältige Weise einteilen und verstehen lassen. Wir
unterschieden zwischen ökologischen Krisen wie
Naturkatastrophen, Klimakrisen und Ressourcenknappheit,
gesellschaftlich-politischen Krisen wie religiösen Konflikten,
Kriegen und Terrorismus, wirtschaftlichen und sozialen Krisen
wie Finanz- und Flüchtlingskrisen sowie Gesundheitskrisen wie
Pandemien. Dabei zeigte sich, dass die Grenzen oft fliessend
sind und viele Konflikte eng miteinander verknüpft werden
können.
Unsere Recherche bezog sich auf zahlreiche Datensätze:
Flüchtlingsrouten und -lager, beteiligte Akteure,
Kriegshandlungen, eingesetzte Waffen, Einsatzgebiete von
Hilfs- und Friedensorganisationen sowie Ursachen wie
Mineralienabbau, Naturkatastrophen (Dürren, Überschwemmungen,
Stürme) und viele weitere Aspekte. Diese Informationen mussten
wir sorgfältig selektieren und in eine geeignete
kartografische Form bringen.
Auch wenn diese Arbeit sehr zeitintensiv war – viele
Informationen mussten aus Dutzenden von Quellen
zusammengetragen werden – war sie für mich besonders
bedeutungsvoll. Da es sich um eine Einzelkarte handelte, die
nicht direkt mit anderen Karten im Atlas verbunden war, hatten
wir bei der Gestaltung und Darstellung deutlich mehr kreative
Freiheit als bei anderen Atlas-Themen.
Weitere Arbeiten beim Schweizer Weltatlas umfassten thematische Karten der Schweiz und der Welt. Dabei ging es vor allem darum, aktuelle Daten zu verschiedenen Themen zu recherchieren und in die Karten einzubinden. Im Vergleich zur Konfliktkarte waren diese Aufgaben meist schneller erledigt – allerdings hatte man bei der Gestaltung deutlich weniger Spielraum, da man sich an den vorgegebenen Stil des Atlas halten musste.
Meine letzte Arbeit war die Wirtschaftskarte der Schweiz. Anfangs befürchtete ich, sie nicht rechtzeitig abschliessen zu können, da sich die zugrunde liegenden Daten stark verändert hatten und der bisherige Arbeitsablauf nicht mehr verfügbar war. So war ich gezwungen, die einzelnen Arbeitsschritte neu zu entwickeln, zu testen und zu dokumentieren. Es war ein langwieriger Prozess, der mir manchmal ziemlich auf die Nerven ging: Oft arbeitete ich stundenlang an verschiedenen Ansätzen, nur um festzustellen, dass sie nicht funktionierten. Glücklicherweise konnte ich die Karte vor meinem letzten Arbeitstag abschliessen, gemeinsam besprechen und mitsamt einer Anleitung übergeben.
Da wir in der Schweiz die Milizarmee haben, ist es für jeden Mann obligatorisch, entweder den Militär- oder Zivildienst zu leisten. Bei der Aushebung wurde ich als Motorfahrer eingeteilt – und so musste ich meine Anstellung an der ETH leider bereits nach kurzer Zeit wieder beenden, um den Wehrdienst anzutreten.
Trotz des kurzen Zeitfensters war es ein äusserst spannender
Einblick in die Entstehung des Schweizer Weltatlas – und für
mich eine grosse Ehre, an der neuen Auflage dieses besonderen
Produkts mitgewirkt zu haben.
Vielen Dank!
Mein Lebenslauf
Berufliche Erfahrungen und Ausblick
Hier können Sie mehr über meinen Werdegang erfahren und mein
Lebenslauf einsehen:
Ich konnte bereits viele wertvolle
Erfahrungen sammeln und freue mich auf zahlreiche weitere
spannende Herausforderungen in der Zukunft.