Im August des Vorjahres begann für mich der erste Schritt in
Richtung Militärdienst: die Rekrutierung in der Kaserne
Summiswald. Ohne grosse Vorkenntnisse und mit einer Portion
Unsicherheit trat ich dort an. Die drei Tage waren klar
strukturiert: medizinischer Check-up, Sport- und Ausdauertest,
psychologische Analyse, Fahrverständnisprüfung sowie kognitive
und Multitasking-Tests. Während des Beratungsgesprächs hatte
ich nur eine grobe Vorstellung davon, welche Funktionen für
mich infrage kommen könnten. Einige interessante Optionen
hatte ich mir notiert – und genau diese besprach ich mit dem
zuständigen Offizier.
Wenig später stand fest: Ich würde als Motorfahrer dienen.
Meine Rekrutenschule absolvierte ich in Drognens bei Romont.
Als Motorfahrer erhielt ich eine doppelte Ausbildung –
einerseits im militärischen Grunddienst, andererseits in der
Fahrausbildung schwerer Fahrzeuge.
Zunächst standen die militärischen Grundregeln und Disziplin
im Vordergrund: korrektes Grüssen, An- und Abmelden,
Salutieren, Verhaltensregeln in der Kaserne und vieles mehr.
Parallel dazu begann die Fahrpraxis: Lastkraftwagen mit und
ohne Anhänger, das Manövrieren auf engen, kurvigen Strassen
der Westschweiz und das sichere Fahren unter
unterschiedlichsten Bedingungen.
Zu den praktischen Aufgaben zählten das Auf- und Abladen von
ISO-Containern und Abrollbehältern, das Abdecken und Sichern
von Ladung, sowie das zeitaufwändige Montieren von
Schneeketten und Ersatzrädern. Ergänzt wurde dies durch
theoretische Schulungen zu Ladungssicherung,
Fahrzeugunterhalt, Bedienung und Gefahrenguttransport nach
ADR/SDR-Vorschriften.
Natürlich gehörte auch die soldatische Ausbildung dazu:
Schiessen, Gefechtstraining, Grundlagen des Nahkampfs und das
rasche Anlegen des ABC-Schutzanzuges – alles bei jedem Wetter,
ob Schnee, Eis, Nebel oder Regen. Trotz der Strapazen wuchs
die Kameradschaft, besonders unter uns Deutschsprachigen.
Egal ob zum wiederholten Mal Chili aus der Dose oder die
kargen Verpflegungspäckchen aus dem Feld – wir hielten
zusammen, halfen einander und meisterten die Herausforderungen
als Team.
Für die Verbandsausbildung (VBA) wurde ich nach Pfäffikon und
Hinwil in eine Nachschubkompanie versetzt. Nun waren wir nur
noch rund zehn Motorfahrer – eine kleine, aber bestens
eingespielte Gruppe.
Unsere Aufträge führten uns quer durch die Schweiz: von Zürich
nach Glarus, Freiburg, bis hinunter nach Genf oder ins Wallis.
Neben regulären Transporten unterstützten wir auch Übungen und
Inspektionen anderer Kompanien. Dabei konnten wir unsere
Erfahrung im Umgang mit schweren Fahrzeugen weiter ausbauen
und unsere Zusammenarbeit mit anderen militärischen Einheiten
vertiefen.
Der längste Abschnitt meines Militärdienstes begann mit der
Versetzung nach Kirchberg bei Burgdorf, in die sogenannte
„Mammutkompanie“ – die Logistik-Bereitschaftskompanie 104.
Unsere Aufgaben waren vielfältig und reichten von
militärischen Transporten bis zur Unterstützung grosser
ziviler Veranstaltungen.
Besondere Einsätze und Aufträge führten uns unter anderem zu
folgenden Anlässen:
Nicht jeder Auftrag war spannend, doch auch sie gehörten zu unserem Alltag. Dazu zählten etwa das Ausgeben neuer Militärausrüstung an Berufsoffiziere oder monotone Wachdienste in unserer „leeren“ Unterkunft. Im Schichtbetrieb standen wir in voller Kampfmontur vor dem Wachcontainer und führten regelmässige Rundgänge zu unseren Fahrzeugparks durch. Dabei waren wir stets mit der schweren Ausrüstung, dem Helm, der Splitterschutzweste, dem Pfefferspray und unterladener Waffe ausgerüstet. Gerade diese Routineeinsätze verlangten ein hohes Mass an Disziplin und Durchhaltevermögen – und doch gab es auch Momente, in denen es schlicht nichts zu tun gab und die Zeit einfach nicht vergehen wollte.
Ein immer wiederkehrendes Highlight während RS, VBA und Durchdienerzeit waren die freien Abende. Gemeinsam mit den Kameraden ging es in nahegelegene Restaurants oder Bars – Momente, die den Zusammenhalt stärkten und den fordernden Alltag für ein paar Stunden in den Hintergrund rücken liessen.
Mein Militärdienst war intensiv, fordernd und lehrreich zugleich. Ich habe nicht nur das Fahren schwerer Fahrzeuge verbessert, sondern auch gelernt, Verantwortung zu übernehmen, unter widrigsten Bedingungen durchzuhalten und im Team zu arbeiten. Diese Zeit hat mir Disziplin, Ausdauer und Kameradschaft vermittelt – Werte, die mich auch ausserhalb des Militärs begleiten werden.